Atypische Anorexie verstehen: Wenn die Magersucht nicht im Untergewicht sichtbar wird

Atypische Anorexie - die tückisch versteckte Magersucht

Von Tanja, M.Sc & B.Sc. Psychologin (King's College London), MBPsS, Spezialistin für Essstörungen & Körperbild & Magersucht-Überlebende| 10+ Jahre Erfahrung

atypische Anorexie
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„Sie sehen doch gesund aus. Da kann doch nichts sein.“

Dieser Satz begleitet mich seit Jahren in meiner Arbeit – und jedes Mal berührt er mich tief.

Sarah (Name geändert), BMI 22, äußerlich „gesund“. Aber in ihren Augen sah ich die stille Verzweiflung, die ich aus meiner eigenen Geschichte kannte. In neun Monaten hatte sie 32 Kilogramm abgenommen. Ihre Periode war ausgeblieben. Die Laborwerte zeigten Herzrhythmusstörungen.

Als sie ihrem Hausarzt davon erzählte, hörte sie: „Sie haben ein gesundes Gewicht erreicht. Gut gemacht.“

Das ist die schmerzhafte Realität der atypischen Anorexie – eine Essstörung, die genauso gefährlich sein kann wie die klassische Magersucht, aber oft übersehen wird, weil die Betroffenen nicht „dünn genug“ aussehen.

Als Psychologin für Essstörungen und als jemand, die selbst zehn Jahre ohne professionelle Hilfe durch die Anorexie gekämpft hat, verstehe ich beide Seiten: die fachliche Perspektive und die zutiefst persönliche Erfahrung des Alleinseins mit dieser Erkrankung. Heute bin ich hier, um die Psychologin zu sein, die ich selbst damals gebraucht hätte. Um sicherzustellen, dass niemand zehn einsame Jahre kämpfen muss wie ich – und erst recht nicht, weil ihr Leiden „unsichtbar“ ist.

Dein Gewicht bestimmt nicht, wie sehr du leidest. Dein Schmerz ist real – unabhängig von der Zahl auf der Waage.

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Hallo!

Ich heiße Tanja.
Ich bin Psychologin für Essstörungen, Körperhass und Selbstablehnung.
Ich bin auch eine Magersuchtsüberlebende.

Meine Mission ist es, dir zu helfen, deinen Kampf mit dem Essen und deinem Körper zu beenden und dich zu inspirieren, deinen wahren Wert zu entdecken.  Weiterlesen… 

Überraschender Fakt: Bis zu 30% aller Betroffenen mit einer Anorexie fallen in die Kategorie der atypischen Anorexie – eine Erkrankung, die genauso lebensbedrohlich sein kann wie die klassische Form, aber oft übersehen wird.

Was ist eine atypische Anorexie?

Die atypische Anorexie ist eine Form der Essstörung, die oft übersehen wird und dennoch genauso schwerwiegend sein kann wie die klassische Anorexia nervosa. In meiner langjährigen Arbeit als Psychologin für Essstörungen begegne ich immer wieder Betroffenen, die trotz normalen oder sogar erhöhten Körpergewichts unter allen psychischen Symptomen einer Magersucht leiden.

Überraschender Fakt: Studien zeigen, dass Menschen mit atypischer Anorexie oft sogar unter stärkeren psychischen Belastungen leiden als solche mit klassischer Anorexie – möglicherweise weil ihre Erkrankung nicht anerkannt wird und sie keine angemessene Hilfe erhalten.

Der entscheidende Unterschied zur klassischen Anorexie liegt nicht im Erleben oder Verhalten, sondern lediglich in einem Punkt: Betroffene mit atypischer Anorexie haben keinen BMI unter 17,5 und werden daher oft nicht als „krank genug“ wahrgenommen.

Als jemand, der selbst zehn Jahre mit Anorexie gekämpft hat, weiß ich aus eigener Erfahrung, wie schmerzhaft es sein kann, wenn das eigene Leiden nicht erkannt oder ernst genommen wird. Meine persönliche Geschichte mit der klassischen Anorexie hat mir tiefe Einblicke in die Denkstrukturen und emotionalen Kämpfe gegeben, die auch Menschen mit atypischer Anorexie durchleben.

„Ich bin nicht dünn genug, um Hilfe zu verdienen“ – dieser Satz begegnet mir in meiner Arbeit immer wieder und zeigt das tiefe Missverständnis, das selbst im Gesundheitssystem verankert ist.

Die atypische Anorexie gehört zu den „Anderen spezifischen Fütter- oder Essstörungen“ (OSFED – Other Specified Feeding or Eating Disorders). Trotz der Bezeichnung „atypisch“ ist diese Form der Essstörung keineswegs selten. Studien deuten darauf hin, dass sie sogar häufiger vorkommt als die klassische Anorexia nervosa.

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Die unterschätzte Realität der atypischen Anorexie

Vielleicht kennst du jemanden, der in kurzer Zeit erheblich an Gewicht verloren hat, aber immer noch im Normalgewichtsbereich liegt. Oder du selbst hast eine Phase extremer Gewichtsabnahme erlebt, bei der deine Umgebung mit Komplimenten reagierte, während du innerlich mit Essensängsten und zwanghaften Gedanken kämpftest. In beiden Fällen könnte eine atypische Anorexie vorliegen.

Die zentrale Botschaft, die ich aus meiner Erfahrung weitergeben möchte: Das Körpergewicht allein sagt nichts über den Schweregrad einer Essstörung aus. Die psychische Belastung, die körperlichen Komplikationen und die Einschränkung der Lebensqualität können bei atypischer Anorexie genauso gravierend sein wie bei der klassischen Form.

Diagnose der atypischen Anorexie

Die Diagnose der atypischen Anorexie erfolgt in Deutschland nach den Kriterien des ICD-10 unter dem Code F50.1. Im amerikanischen DSM-5 wird sie den „Other Specified Feeding or Eating Disorders“ (OSFED) zugeordnet.

Diagnostische Kriterien nach ICD-10

Laut ICD-10 ist die atypische Anorexie definiert als eine Störung, die einige, aber nicht alle Kriterien der Anorexia nervosa erfüllt. Das klinische Bild rechtfertigt die Diagnose einer vollen Anorexia nervosa jedoch nicht. Die Schlüsselsymptome können fehlen, während andere typische Merkmale vorhanden sind.

Zum Beispiel:

  • Erheblicher Gewichtsverlust, aber BMI noch über 17,5
  • Vorhandensein von intensiver Angst vor Gewichtszunahme
  • Gestörte Körperwahrnehmung
  • Ausbleiben der Menstruation bei Frauen (Amenorrhö)

Es muss betont werden: Für die Diagnose einer atypischen Anorexie ist nicht entscheidend, wie viel du wiegst, sondern wie du mit deinem Körper und mit Essen umgehst.

Die diagnostische Herausforderung

In meiner Arbeit erlebe ich regelmäßig, dass die atypische Anorexie übersehen wird. Viele Betroffene berichten, dass ihre Beschwerden nicht ernst genommen wurden, solange sie im Normalgewicht waren. Manche Therapeuten haben ihnen sogar explizit gesagt, dass sie keine Essstörung haben könnten, wenn sie nicht untergewichtig seien.

Schockierender Fakt: Einer Studie zufolge warten Menschen mit atypischer Anorexie durchschnittlich 10-15 Monate länger auf eine korrekte Diagnose als Betroffene mit klassischer Anorexie – wertvolle Zeit, in der die Erkrankung unbehandelt fortschreitet.

Diese Fehleinschätzung kann fatale Folgen haben:

  1. Betroffene bekommen nicht die nötige Behandlung
  2. Die Essstörung kann sich verschlimmern
  3. Das Leid wird unnötig verlängert
  4. Die körperlichen Komplikationen bleiben unbehandelt

Als Psychologin für Essstörungen und ehemalige Betroffene ist es mir sowohl professionell als auch persönlich wichtig, dieses Missverständnis zu korrigieren. Eine atypische Anorexie ist keine mildere Form der Anorexie – sie ist eine vollwertige Essstörung, die genauso ernst genommen werden muss wie jede andere Form. Aus meiner eigenen 10-jährigen Erfahrung mit Anorexie weiß ich: Die innere Hölle der Essstörung ist unabhängig vom Körpergewicht gleich qualvoll.

Was ich in meiner Arbeit immer wieder erlebe

Mia, 49, kam zu mir, nachdem sie versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Nicht direkt wegen der Essstörung – sondern weil sie das Gefühl hatte, mit ihrem Schmerz völlig allein zu sein.

„Ich schreie innerlich um Hilfe,“ erzählte sie mir unter Tränen. „Aber alle sehen mich an und sagen, ich sehe gesund aus. Als wäre mein Leiden nicht real, weil man es mir nicht ansieht.“

Die atypische Anorexie tötet nicht nur durch körperliche Komplikationen. Sie tötet durch das Gefühl, unsichtbar zu sein. Nicht ernst genommen zu werden. Nicht ‚krank genug‘ zu sein für Hilfe.

Nach all den Jahren in diesem Bereich weiß ich: Die psychische Qual ist bei atypischer und klassischer Anorexie dieselbe. Die Gedankenmuster sind dieselben. Die Verzweiflung ist dieselbe.

Das Gewicht ist nur eine Zahl. Der Schmerz dahinter ist zutiefst real – unabhängig von dieser Zahl.

Symptome und Warnsignale erkennen

Die Symptome der atypischen Anorexie sind nahezu identisch mit denen der klassischen Anorexia nervosa. Der wesentliche Unterschied liegt im Körpergewicht.

Psychische Symptome der atypischen Magersucht

  • Verzerrtes Körperbild: Betroffene nehmen sich als zu dick wahr, selbst wenn objektiv kein Übergewicht vorliegt
  • Intensiver Gewichtskontrolldrang: Ständiges Wiegen, Messen, Körperchecken
  • Nahrungsmittelvermeidung: Bestimmte Lebensmittel werden kategorisiert und verboten
  • Kalorienfixierung: Zwanghafte Beschäftigung mit Kaloriengehalt und Nährwertangaben
  • Rigide Essensrituale: Essen nach strengen Regeln, festgelegten Zeiten, in bestimmter Reihenfolge
  • Sozialer Rückzug: Vermeidung von gemeinsamen Mahlzeiten oder Situationen, in denen gegessen wird
  • Selbstwertproblematik: Enge Verknüpfung des Selbstwerts mit Gewicht und Figur
  • Perfektionismus: Strenge Leistungsansprüche an sich selbst

Körperliche Symptome

Auch körperlich können bei der atypischen Anorexie dieselben Komplikationen auftreten wie bei der klassischen Form:

  • Herzrhythmusstörungen
  • Niedriger Blutdruck
  • Ständiges Frieren und kalte Extremitäten
  • Hormonelle Unregelmäßigkeiten (Amenorrhö bei Frauen)
  • Müdigkeit und Konzentrationsprobleme
  • Magen-Darm-Beschwerden (Verstopfung, Blähungen)
  • Trockene Haut, brüchige Nägel, Haarausfall
  • Lanugo-Behaarung (feiner Flaum auf der Haut)
  • Schlafstörungen

Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass viele dieser körperlichen Symptome auftreten können, lange bevor das Körpergewicht in einen kritischen Bereich sinkt. Dies ist ein entscheidender Grund, warum die atypische Anorexie nicht als weniger gefährlich angesehen werden darf.

Warnsignale im Verhalten

Bestimmte Verhaltensweisen können auf eine atypische Anorexie hindeuten:

  • Exzessiver Sport: Übermäßiges Trainieren, auch bei Krankheit oder Verletzung
  • Vermeidung von gemeinsamen Mahlzeiten: Ausreden, um nicht mit anderen essen zu müssen
  • Veränderte Essgewohnheiten: Extreme Einschränkung bestimmter Nahrungsmittelgruppen
  • Ritualisiertes Essen: Langsames Essen, Zerschneiden der Nahrung in winzige Stücke
  • Verstecken von Essen: Vortäuschen des Essens, während Nahrung tatsächlich entsorgt wird
  • Übermäßige Beschäftigung mit Ernährung: Ständiges Lesen über Diäten, Kochen für andere ohne selbst zu essen
  • Gewichtsverlust trotz „normalem“ Essverhalten: Kann auf verdeckte restriktive Praktiken hindeuten

Die versteckte Gefahr: Warum auch Normalgewicht gefährlich sein kann

Ein gefährliches Missverständnis bei der atypischen Anorexie ist die Annahme, dass ein „normales“ Körpergewicht vor körperlichen Komplikationen schützt. Meine Erfahrung und wissenschaftliche Studien zeigen jedoch das Gegenteil.

Alarmierender Fakt: Forschungsergebnisse zeigen, dass bis zu 35% der Todesfälle im Zusammenhang mit Essstörungen bei Menschen auftreten, die nie einen untergewichtigen BMI hatten – ein klarer Beleg dafür, dass das Normalgewicht keine Sicherheit garantiert.

Das Phänomen der "Normalgewichts-Mangelernährung"

Auch ein Körper im Normalgewichtsbereich kann mangelernährt sein. Dies geschieht beispielsweise durch:

  • Extreme Restriktion bestimmter Nährstoffgruppen (z.B. Fette oder Kohlenhydrate)
  • Unzureichende Gesamtkalorienzufuhr trotz noch vorhandener Energiereserven
  • Schnellen Gewichtsverlust, bei dem der Körper keine Zeit zur Anpassung hatte

Bei einer atypischen Anorexie kann der Körper trotz „normalem“ BMI in einem Zustand des metabolischen Stresses sein, insbesondere wenn zuvor ein höheres Gewicht bestand und eine schnelle Gewichtsabnahme erfolgte.

Ein Fallbeispiel aus meiner Arbeit

Lena (Name geändert) kam mit 22 Jahren zu mir. Mit einem BMI bei bei 21,3 lag sie im Normalgewichtsbereich. Was auf den ersten Blick „gesund“ wirkte, entpuppte sich als besorgniserregend, als ich ihre Geschichte erfuhr: Innerhalb von 8 Monaten hatte sie 27 kg abgenommen, ihre Periode war ausgeblieben, ihr Blutdruck war bedenklich niedrig, und sie litt unter Herzrhythmusstörungen.

Obwohl Lena nicht das typische Bild einer magersüchtigen Person abgab und ihr BMI bei 21,3 lag, befand sich ihr Körper in einem gefährlichen Zustand der Mangelernährung. Die Laborwerte zeigten Elektrolytstörungen und eine beginnende Osteoporose.

Dieses Beispiel verdeutlicht: Nicht das absolute Gewicht, sondern die Art und Geschwindigkeit der Gewichtsveränderung sowie das restriktive Essverhalten bestimmen die körperlichen Risiken.

Was meine eigene Geschichte mich gelehrt hat

Während meiner eigenen zehnjährigen Magersucht war ich stark untergewichtig. Menschen sahen mir die Krankheit an. Das gab meinem Leiden eine gewisse „Berechtigung“.

Aber ich habe diese zehn Jahre ohne Therapie durchgestanden. Nicht aus Stärke – sondern weil ich damals keinen Zugang zu der Hilfe hatte, die ich so verzweifelt gebraucht hätte. Es war der einsamste, schwerste Kampf meines Lebens.

Ich erzähle dir das nicht, weil ich stolz darauf bin. Ich erzähle es dir, weil es zeigt: Niemand sollte diesen Weg alleine gehen müssen.

Menschen mit atypischer Anorexie haben es oft noch schwerer – sie kämpfen nicht nur mit der Essstörung, sondern auch um Anerkennung ihres Leidens.

Genau deshalb bin ich heute hier. Um sicherzustellen, dass niemand mehr zehn Jahre alleine kämpfen muss – schon gar nicht, weil ihr Schmerz „unsichtbar“ ist.

Der Weg zur Genesung: Meine Ansätze

In meiner Arbeit mit Menschen mit atypischer Anorexie habe ich einige Ansätze als besonders wirksam erlebt:

1. Normalisierung des Essverhaltens

Der erste Schritt ist oft die Etablierung eines regelmäßigen, ausreichenden und vielseitigen Essverhaltens. Dies umfasst:

  • Regelmäßige Mahlzeiten ohne lange Hungerphasen
  • Ausreichende Energiezufuhr für den individuellen Bedarf
  • Schrittweise Reintegration vermiedener Lebensmittel
  • Abbau von rigiden Essensregeln und Ritualen

Dabei ist es wichtig, dass dieser Prozess behutsam und mit Unterstützung stattfindet, da er für Betroffene mit intensiven Ängsten verbunden sein kann.

2. Arbeit am Körperbild

Ein verzerrtes Körperbild ist bei der atypischen Anorexie oft besonders ausgeprägt. Therapeutische Ansätze umfassen:

  • Körperkonfrontationsübungen
  • Arbeit mit inneren Dialogen über den Körper
  • Entwicklung einer wertschätzenden Haltung gegenüber dem eigenen Körper
  • Fokussierung auf Funktionalität statt Aussehen

3. Emotionsregulation

Viele Betroffene nutzen restriktives Essverhalten als Mittel zur Emotionsregulation. Alternative Strategien zu entwickeln ist daher essentiell:

  • Identifikation und Benennung von Gefühlen
  • Erlernen von Achtsamkeitstechniken
  • Entwicklung gesunder Bewältigungsstrategien
  • Aufbau von Stresstoleranz

4. Arbeit an Selbstwert und Identität

Ein stabiler, von Gewicht und Figur unabhängiger Selbstwert ist ein zentrales Ziel:

  • Identifikation persönlicher Stärken und Werte
  • Erweiterung der Identität jenseits von Körper und Gewicht
  • Förderung von Selbstmitgefühl und Selbstfürsorge
  • Aufbau befriedigender sozialer Beziehungen

5. Umgang mit Rückschlägen

Der Genesungsprozess verläuft selten linear. Ein konstruktiver Umgang mit Rückschlägen umfasst:

  • Entwicklung einer akzeptierenden Haltung gegenüber Schwierigkeiten
  • Förderung von Resilienz und durchhaltevermögen
  • Hilfe zur Selbsthilfe auch in Krisenzeiten
  • Aufbau eines unterstützenden sozialen Netzwerks

In meiner Arbeit betone ich stets, dass Genesung von einer Essstörung möglich ist – unabhängig davon, wie lange die Essstörung bereits besteht oder wie „atypisch“ sie erscheinen mag.

Häufige Fragen zur atypischen Anorexie

Kann man eine atypische Anorexie haben, wenn man übergewichtig ist?

Ja, absolut. Eine atypische Anorexie kann bei jedem Ausgangsgewicht beginnen. Menschen, die von Übergewicht oder Adipositas zu einem niedrigeren, aber immer noch nicht untergewichtigen BMI abnehmen, können alle psychischen und viele physiologischen Symptome einer Anorexie entwickeln.

Ist die atypische Anorexie weniger gefährlich als die klassische Form?

Nein. Die atypische Anorexie kann genauso gefährlich sein wie die klassische Anorexia nervosa. Die körperlichen Komplikationen – von Herzrhythmusstörungen bis zu Hormonproblemen – können unabhängig vom absoluten Körpergewicht auftreten, besonders bei schnellem Gewichtsverlust.

Wie unterscheide ich eine atypische Anorexie von einer "normalen" Diät?

Der Unterschied liegt in der psychischen Komponente und im Verhalten. Bei einer atypischen Anorexie:

  • Ist das Essen mit intensiver Angst verbunden
  • Besteht ein verzerrtes Körperbild
  • Wird Gewichtsabnahme zum übermäßigen Fokus im Leben
  • Werden soziale Aktivitäten dem Essen/Nicht-Essen untergeordnet
  • Besteht ein zwanghaftes Verhältnis zu Nahrung

Kann die atypische Anorexie in eine klassische Anorexie übergehen?

Ja, ohne angemessene Behandlung kann eine atypische Anorexie zu einer klassischen Form fortschreiten, wenn das Gewicht in den untergewichtigen Bereich sinkt. Dies unterstreicht die Wichtigkeit frühzeitiger Intervention.

Wie lange dauert die Recovery von einer atypischen Anorexie?

Die Genesungsdauer ist individuell sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab, wie der Dauer der Erkrankung, komorbiden Störungen und dem Unterstützungssystem. Meine Erfahrung zeigt, dass der aktive Recoveryprozess häufig mindestens 1-2 Jahre in Anspruch nimmt, mit weiterer Stabilisierung und Wachstum danach

Fazit: Der Weg zur Heilung ist möglich

Die atypische Anorexie ist eine ernst zu nehmende Essstörung, die trotz „normalem“ Körpergewicht erhebliches Leid verursachen kann. Als Psychologin mit Spezialisierung auf Essstörungen und als jemand, der selbst einen 10-jährigen Kampf mit der Anorexie hinter sich hat, ist es mir wichtig zu betonen:

Hoffnungsvoller Fakt: Studien zeigen Genesungsraten von bis zu 70% bei Betroffenen mit atypischer Anorexie, die eine spezialisierte Behandlung erhalten – ein klarer Beweis, dass Heilung möglich ist, wenn die Erkrankung richtig erkannt und behandelt wird.

  1. Meine persönliche Botschaft an dich: Ich habe zehn Jahre ohne professionelle Hilfe durch die Anorexie gekämpft. Ich kenne diese innere Stimme, die dir sagt, du seist nicht genug. Nicht dünn genug, nicht krank genug, nicht würdig genug für Hilfe.
  2. Diese Stimme lügt: Ob dein BMI bei 15 liegt oder bei 25 – wenn du unter Essensängsten leidest, wenn die Gedanken um Essen dein Leben bestimmen, wenn dein Selbstwert an einer Zahl auf der Waage hängt – dann brauchst du Unterstützung. Und du verdienst sie.
  3. Der wichtigste Unterschied zwischen dir und mir damals: Ich musste meinen Weg alleine finden, weil ich keine andere Wahl hatte. Du hast eine Wahl. Heute gibt es Unterstützung. Heute musst du nicht zehn einsame Jahre durchstehen. Die atypische Anorexie ist keine „leichtere Form“ der Magersucht. Sie ist eine vollwertige, ernsthafte, potenziell lebensbedrohliche Essstörung.
  4. Und Heilung ist möglich: Warte nicht zehn Jahre wie ich. Warte nicht, bis du „dünn genug“ bist. Hol dir jetzt die Unterstützung, die du brauchst und verdienst – die Hilfe, die ich damals nicht hatte, aber die du haben KANNST.

Wenn du den Verdacht hast, dass du oder jemand in deinem Umfeld unter einer atypischen Anorexie leidet, zögere nicht, professionelle Hilfe zu suchen. Der erste Schritt ist oft der schwerste – aber auch der wichtigste auf dem Weg zur Genesung.

Du musst nicht alleine den Weg aus deiner Essstörung oder deinem Körperhass bestreiten.

Schreib mir und wir können gemeinsam herausfinden, wie ich dir helfen kann.

Die Heilung deiner Essstörung und die Überwindung deines Körperhasses ist möglich – Ich habe es geschafft, andere haben es geschafft und so kannst du es auch schaffen!

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