Intuitives Essen als Weg aus deiner Essstörung (Video)
Von Tanja, M.Sc & B.Sc. Psychologin (King's College London), MBPsS, Spezialistin für Essstörungen & Körperbild & Magersucht-Überlebende| 10+ Jahre Erfahrung
Ich saß vor einem Teller Pasta und weinte. Nicht weil ich traurig war. Nicht weil die Pasta schlecht war. Sondern weil ich keine Ahnung hatte, wie viel ich essen sollte.
Jahre des Kalorienzählens, der Regeln, der Kontrolle hatten mir etwas Fundamentales genommen: Die Fähigkeit zu spüren, wann ich Hunger habe und wann ich satt bin.
„Hör einfach auf deinen Körper,“ hatten mir alle gesagt. „Iss intuitiv. Lerne intuitives Essen.“
Hallo!
Ich heiße Tanja.
Ich bin Psychologin für Essstörungen, Körperhass und Selbstablehnung.
Ich bin auch eine Magersuchtsüberlebende.
Meine Mission ist es, dir zu helfen, deinen Kampf mit dem Essen und deinem Körper zu beenden und dich zu inspirieren, deinen wahren Wert zu entdecken. Weiterlesen…
Inhaltsverzeichnis
Aber wie? Wie soll ich intuitiv essen nach einer Essstörung, wenn ich jahrelang gelernt habe, meinen Körper zu ignorieren? Wenn ich ihm nicht mehr vertraue? Wenn ich nach zehn Jahren Magersucht nicht mehr weiß, was „satt“ überhaupt bedeutet?
Das war meine größte Angst auf dem Weg aus der Essstörung: Ohne Regeln zu essen. Ohne Plan. Ohne Kontrolle. Einfach nur… intuitiv.
Es fühlte sich an wie die Aufforderung zu fliegen, nachdem man jahrelang nur kriechen durfte.
Hier kannst du dir das Video zu dem Artikel ansehen oder einfach unten weiterlesen. Viel Spaß 🙂
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Intuitives Essen bei Essstörung – das klingt in der Theorie wunderschön. Aber für viele von uns, die aus Magersucht, Bulimie oder Binge Eating kommen, ist es einer der verwirrendsten Teile der Recovery.
Heute, viele Jahre später, kann ich intuitiv essen. Ich habe gelernt, meinem Körper wieder zu vertrauen. Ihm zuzuhören. Ihn sprechen zu lassen.
Der Weg dorthin war einer der schwierigsten Teile meiner Recovery – und gleichzeitig der befreiendste.
Als Psychologin für Essstörungen und als jemand, die selbst diesen Weg gegangen ist, möchte ich heute ehrlich mit dir sein: Intuitives Essen nach Essstörung ist kompliziert. Es ist verwirrend. Manchmal überwältigend. Und das ist vollkommen normal.
Und genau darüber möchte ich heute sprechen.
Nicht nur über die schöne Theorie des intuitiven Essens. Sondern über die messige, echte Realität – mit all den Ängsten, Rückschlägen und kleinen Siegen, die dazugehören, wenn du intuitiv essen lernen willst nach Jahren der Kontrolle.
Denn wenn ich es lernen konnte, kannst du es auch lernen.
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Mit Tanja – Psychologin für Essstörungen & Körperbild
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Intuitives Essen
Was ist intuitives Essen?
Intuitives Essen ist ein Anti-Diät-Ansatz, der 1995 von den beiden Pionierinnen Evelyn Tribole und Elyse Resch entwickelt wurde. Bei diesem Ansatz geht es darum, wieder zu erlernen, den Körper zu verstehen, zuzuhören und zu vertrauen. Unser Körper weiß instinktiv, wann, was und wie viel an Nahrung er benötigt. Intuitives Essen lehrt eine große Auswahl an Lebensmitteln in das alltägliche Leben zu integrieren, so dass unser Hunger und unsere Bedürfnisse befriedigt werden.
Dieser Ansatz erkennt an, dass nur du alleine wissen kannst, ob du voll oder hungrig bist. Nur du kannst wissen, was du essen möchtest und was deine körperlichen und emotionalen Bedürfnisse sind. Nur du kannst dir selbst die bedingungslose Erlaubnis erteilen, alles zu essen, was du essen willst, ohne Schuldgefühle oder Reue zu haben.
Niemand sonst kann dies für dich tun; nicht deine Familie, dein Partner, deine Freunde und definitiv nicht ein Diätplan. Wenn du eine Pizza oder ein leckeres Eis essen willst, ist das absolut in Ordnung.
Es gibt keine Einteilung von „guten“ oder „schlechten Lebensmitteln“ und auch keine „richtige“ oder „falsche“ Ernährungsweise. Die beste Art zu essen ist die Art und Weise, die deinen einzigartigen Bedürfnissen entspricht.
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Ist es möglich, zu intuitiven Essen zurückzukehren?
Nachdem du nun einen ersten Eindruck von intuitiven Essen erhalten hast, fühlst du dich vielleicht ein wenig entmutigt, weil du besorgt bist, dass du im Moment noch nicht bereit dafür bist. Möglicherweise befindest du dich am Anfang deines Weges aus deiner Essstörung und ein strukturierter Essensplan ist notwendig, um dir dabei zu helfen ein gesundes Gewicht zurückzuerlangen und deine Essgewohnheiten zu normalisieren. Vielleicht fühlst du auch Angst und Unsicherheit, da du weißt, dass du dich im Grunde noch nicht auf deine Intuition alleine verlassen kannst, da dein Hunger- und Völlegefühl noch nicht zuverlässig ist. Glücklicherweise gibt es viele Möglichkeiten intuitives Essen in deinen Alltag auch trotz eines notwendigen Essensplans zu integrieren.
Intuitives Essen wird heutzutage als ein sehr vielversprechender neuer Ansatz zur Heilung von Essstörungen gesehen und wird immer mehr in Behandlungen integriert. In zahlreichen Studien konnte bereits nachgewiesen werden, dass intuitives Essen viele positive Auswirkungen auf die geistige und körperliche Gesundheit, das Körperbild und das Essverhalten hat. Es scheint eine der besten Methoden zu sein, um eine positive und gesunde Beziehung zu Nahrung, Körper und Geist aufrechtzuerhalten.
Meine eigene Reise zum intuitiven Essen nach Magersucht - die ehrliche Version
Ich möchte dir erzählen, wie es für MICH war, intuitives Essen bei Essstörung zu lernen. Nicht die Instagram-Version. Die echte.
Die ersten Wochen waren absolutes Chaos.
Ich hatte jahrelang nach strengen Regeln gelebt. Plötzlich sollte ich auf meinen Körper hören und intuitiv essen? Ich hörte… nichts. Oder besser gesagt: Ich hörte so viele Stimmen, dass ich nicht wusste, welche die „richtige“ war.
„Ich habe Hunger“ – aber ist das echter Hunger oder Kopf-Hunger? „Ich bin satt“ – aber habe ich genug gegessen für meinen Körper? „Ich will Pizza“ – aber will das mein Körper oder die Essstörung?“
Jede einzelne Mahlzeit fühlte sich an wie ein Test, den ich bestehen musste. Und meistens hatte ich das Gefühl, zu versagen.
Intuitives Essen in der Recovery ist nicht wie in den Büchern beschrieben. Es ist nicht sanft, nicht einfach, nicht sofort befreiend.
Manchmal aß ich zu viel, weil ich das Signal „satt“ noch nicht richtig deuten konnte. Dann kam die Panik: „Siehst du? Du KANNST nicht intuitiv essen! Du brauchst Regeln!“
Manchmal aß ich zu wenig, aus alter Gewohnheit, aus Angst. Dann kam die Erschöpfung, der Extremhunger, der Essanfall.
Der Wendepunkt kam, als ich verstand: Intuitives Essen nach Magersucht ist nicht perfekt. Es IST das Chaos. Und das ist okay.
Mein Körper musste erst wieder lernen, mit mir zu kommunizieren. Und ich musste lernen, ihm zuzuhören – auch wenn die Botschaften anfangs undeutlich waren.
Es dauerte Monate – nicht Wochen, Monate – bis ich anfing, die Signale meines Körpers wirklich zu verstehen. Bis „Hunger wieder spüren“ möglich war. Bis „satt“ sich zufrieden anfühlte und nicht wie Versagen.
Heute esse ich intuitiv. Nicht perfekt. Aber das ist menschlich.
Intuitives Essen bei Essstörung ist keine Endstation. Es ist eine fortlaufende Konversation zwischen dir und deinem Körper.
Bist du bereit für intuitives Essen?
Während du vielleicht sofort mit intuitiven Essen starten möchtest, empfehle ich, dass du dir zuerst die folgenden Fragen stellst, um sicher zu gehen, dass du auch wirklich bereit dafür bist:
- Erkenne ich an, dass meine Essstörung die Ursache eines tieferen psychologischen Problems ist und meine Probleme mit dem Essen und meinem Körperbild ein Ergebnis davon ist?
- Bin ich bereit, die Art und Weise, wie ich über Lebensmittel denke grundlegend zu ändern, wie z.B. Ich hör auf Lebensmitteln als „gut“ oder „schlecht“ zu klassifizieren?
- Bin ich in der Lage mich mit meinen körperlichen und emotionalen Bedürfnissen zu verbinden und gleichzeitig negative Bewältigungsstrategien wie Essattacken oder übermäßigen Sport zu vermeiden?
Wie kannst du intuitives Essen bei deinem Weg aus deiner Essstörung integrieren?
Wenn du die vorweg gegangenen Fragen mit einem ehrlichen „Ja“ beantworten konntest, kannst du dir überlegen, ob du intuitives Essen erstmal für ein paar Tage ausprobieren willst. Dies wird dir helfen herauszufinden, ob du bereit bist deinen Hunger- und Fülle- Signalen zu folgen. Beobachte dich genau in diesen Tagen und stell dir im Anschluss folgende Fragen:
- Wie habe ich auf die Hunger- und Fülle-Signale meines Körpers reagiert?
- Gab es Zeiten, in denen ich intuitives Essen als Gelegenheit nutzen wollte um weniger als sonst zu essen? Wenn ja, wie habe ich auf diese Gedanken reagiert?
Wenn dir diese Tage mit intuitivem Essen leicht gefallen sind und du dich vollkommen wohlgefühlt hast, sei stolz auf dich selbst und versuche intuitives Essen immer mehr in deinen Alltag zu integrieren. Solltest du jedoch das Gefühl haben noch nicht bereit dafür zu sein und du lieber mit deinem bestehenden Essensplan fortfahren möchtest, sei nicht traurig oder frustriert. Sieh es stattdessen als eine Stärke, denn es spiegelt deinen Wunsch wider, die Heilung deiner Essstörung nicht durch etwas Neues in Gefahr zu bringen.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du intuitives Essen bei deinem Weg aus deiner Essstörung integrieren kannst, lies meinen Blog-Artikel Die 10 Prinzipen der intuitiven Ernährung und wie sie dir aus deiner Essstörung helfen können.
Was ich dir gerne vorher gesagt hätte über intuitives Essen in Recovery
Bevor du mit intuitivem Essen startest, möchte ich dir ein paar Dinge sagen, die ich gerne gewusst hätte:
1. Intuitiv essen lernen nach Essstörung ist chaotisch – und das ist normal
Erwarte nicht, dass du von Tag 1 an „richtig“ intuitiv isst. Die ersten Wochen, vielleicht sogar Monate, werden verwirrend sein. Dein Körper muss wieder lernen, dir zu vertrauen – und du musst ihm wieder vertrauen lernen. Das braucht Zeit.
2. „Zu viel essen“ in Recovery ist normal und wichtig
Manchmal wirst du über deinen Hunger hinaus essen – und das ist ein WICHTIGER Teil des Prozesses beim intuitiven Essen nach Magersucht. Dein Körper muss lernen, dass Essen immer verfügbar ist. Dass er nicht hamstern muss. Diese Phase – in der du vielleicht mehr isst als gewohnt – ist Heilung, nicht Rückfall.
3. Die ED-Stimme wird lauter werden
Wenn du anfängst, intuitiv zu essen, wird die Essstörungs-Stimme PANIK bekommen. Sie wird dir sagen: „Das ist zu viel! Du verlierst die Kontrolle! Du brauchst Regeln!“ Das ist normal. Atme durch. Die Stimme lügt.
4. Es gibt kein „perfektes“ intuitives Essen
Manchmal wirst du aus Emotionen essen, manchmal aus Gewohnheit, manchmal einfach nur weil es lecker ist. Das ist menschlich. Das ist okay. Das ist intuitives Essen.
Die Frage ist nicht: „Esse ich perfekt intuitiv?“ Die Frage ist: „Höre ich mehr auf meinen Körper als gestern?“
Intuitiv essen bei Essstörung ist eine Reise, keine Destination. Sei geduldig mit dir selbst.
Bitte behalte dies im Hinterkopf; intuitives Essen ist ein Prozess und keine schnelle Lösung, die über Nacht Ergebnisse verspricht. Ein intuitiver Esser zu werden, ist eine Reise, die schrittweise vonstattengeht und für jeden anders ist.
Setz dich nicht zu sehr unter Druck, sondern sei geduldig und behandle dich liebevoll auf deiner Reise zum intuitiven Essen.Du musst nicht alleine den Weg aus deiner Essstörung oder deinem Körperhass bestreiten.
Schreib mir und wir können gemeinsam herausfinden, wie ich dir helfen kann.
Die Heilung deiner Essstörung und die Überwindung deines Körperhasses ist möglich – Ich habe es geschafft, andere haben es geschafft und so kannst du es auch schaffen!
FAQ: Häufige Fragen zu intuitivem Essen bei Essstörungen
Kann ich intuitiv essen bei einer Essstörung?
Ja, intuitives Essen kann ein wertvoller Teil der Heilung von Essstörungen sein – aber es ist nicht für jeden sofort der richtige Ansatz. Die Fähigkeit, intuitiv zu essen, setzt voraus, dass du deine Hunger- und Sättigungssignale wieder spüren kannst. Bei vielen Menschen mit Essstörungen sind diese Signale jedoch gestört.
Wann intuitives Essen bei Essstörung funktionieren kann:
- Du bist in fortgeschrittener Recovery und hast ein stabiles Essverhalten
- Du kannst deine Hunger- und Sättigungssignale zumindest teilweise wahrnehmen
- Du bist bereit, Lebensmittel nicht mehr als „gut“ oder „schlecht“ zu kategorisieren
- Du hast keine akuten restriktiven Phasen oder Essanfälle mehr
Wichtig: Intuitives Essen ist kein Ersatz für therapeutische Begleitung bei Essstörungen. Es ist ein Werkzeug, das im richtigen Moment der Recovery sehr hilfreich sein kann – aber nicht am Anfang des Heilungsweges für alle geeignet ist.
Intuitiv essen nach Magersucht – ist das möglich?
Ja, intuitiv essen nach Magersucht ist möglich – aber oft erst in einer späteren Phase der Recovery. Nach einer Magersucht sind deine Hunger- und Sättigungssignale häufig stark verzerrt. Dein Körper hat gelernt, Hunger zu unterdrücken, und deine Sättigungssignale kommen möglicherweise zu früh.
Herausforderungen nach Magersucht:
- Extremes Sättigungsgefühl schon nach kleinen Mengen
- Angst vor dem „über den Hunger hinaus essen“ (was in Recovery manchmal notwendig ist!)
- Verzerrte Wahrnehmung von Hunger
- Die Essstörung nutzt „intuitiv essen“ als Ausrede für Restriktion
Was oft besser funktioniert: In der frühen bis mittleren Phase der Magersucht-Recovery ist ein strukturierter Essensplan meist hilfreicher. Dieser gibt Sicherheit, stellt ausreichende Kalorienzufuhr sicher und hilft, den Stoffwechsel wieder zu normalisieren.
Erst wenn dein Körper wieder Vertrauen gelernt hat – wenn dein Gewicht stabil ist, deine Hormone sich reguliert haben und du keine Angst mehr vor Essen hast – dann kann der Übergang zu intuitivem Essen schrittweise beginnen.
Wie kann ich Hunger wieder spüren nach einer Essstörung?
Das Wiedererlernen der Hungersignale ist ein langsamer, geduldiger Prozess. Dein Körper hat während der Essstörung gelernt, Hunger zu ignorieren oder zu unterdrücken. Diese Signale zurückzugewinnen braucht Zeit.
Praktische Schritte:
- Esse regelmäßig – auch wenn du keinen Hunger spürst (alle 3-4 Stunden)
- Achte auf subtile Signale: Leere im Magen, leichte Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit
- Führe ein Hunger-Tagebuch: Notiere, wann du isst und wie du dich davor/danach fühlst
- Sei geduldig: Es kann Wochen oder Monate dauern, bis Hunger zurückkommt
Warum das so schwer ist: Dein Körper ist im „Überlebensmodus“. Er hat gelernt, mit wenig auszukommen. Ihn wieder zu lehren, dass Nahrung sicher und verfügbar ist, braucht konsequente Signale über längere Zeit.
Die Wahrheit: Viele meiner Klienten sagen: „Aber ich habe keinen Hunger!“ Das ist oft richtig – und trotzdem musst du essen. Dein Körper braucht Zeit, um wieder zu vertrauen.
Was bedeutet "über den Hunger hinaus essen" in der Recovery?
„Über den Hunger hinaus essen“ bedeutet, dass du in der Essstörungs-Recovery manchmal mehr essen musst, als dein Körper aktuell an Hunger signalisiert. Das klingt kontraintuitiv – und genau deshalb ist es so wichtig zu verstehen.
Warum das notwendig ist:
- Dein Stoffwechsel ist verlangsamt und muss repariert werden
- Dein Körper hat einen „Reparatur-Hunger“ – er braucht extra Energie, um zu heilen
- Deine Hungersignale sind noch nicht zuverlässig
- Dein Körper braucht mehr Kalorien als „normal“, um Gewebe zu reparieren
In der Recovery gilt: Strukturierte Ernährung (oft mit Essensplan) ist wichtiger als „nur essen, wenn du Hunger hast“. Dein Körper braucht konsequente, ausreichende Nahrung – auch wenn er das noch nicht richtig signalisiert.
Erst wenn dein Körper wieder geheilt ist – Stoffwechsel normalisiert, Hormone reguliert, Gewicht stabil – dann werden deine Hungersignale wieder verlässlich und intuitives Essen wird möglich.
Intuitives Essen in Recovery – wann ist der richtige Zeitpunkt?
Der richtige Zeitpunkt für intuitives Essen in der Recovery ist individuell sehr unterschiedlich. Es gibt keine pauschale Regel, aber einige Anhaltspunkte:
Anzeichen, dass du bereit sein könntest:
✅ Dein Gewicht ist seit mehreren Monaten stabil
✅ Du hast keine restriktiven Phasen oder Essanfälle mehr
✅ Du kannst alle Lebensmittelgruppen ohne extreme Angst essen
✅ Deine Hunger- und Sättigungssignale kehren zurück
✅ Deine Periode ist zurückgekehrt (bei Frauen)
✅ Du denkst nicht mehr 24/7 an Essen
Anzeichen, dass es noch zu früh ist:
❌ Du nutzt „intuitiv essen“ als Ausrede für Restriktion
❌ Dein Gewicht ist instabil
❌ Du hast noch keine verlässlichen Hunger-/Sättigungssignale
❌ Die Vorstellung, „auf deinen Körper zu hören“, löst Panik aus
Die Wahrheit: Viele Menschen überschätzen ihre Bereitschaft für intuitives Essen. Die Essstörung flüstert: „Jetzt kannst du endlich weniger essen und es ‚intuitiv‘ nennen.“
Genau deshalb ist professionelle Begleitung so wichtig. Ein Therapeut oder Ernährungsberater kann dir helfen zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist – und wann deine Essstörung nur eine neue Maske trägt.
💙 Wenn du unsicher bist, ob du bereit bist – lass uns sprechen. Gemeinsam können wir herausfinden, welcher Ansatz gerade für dich der richtige ist.
Kann ich die 10 Prinzipien des intuitiven Essens bei einer Essstörung anwenden?
Die 10 Prinzipien des intuitiven Essens (entwickelt von Evelyn Tribole und Elyse Resch) sind wunderbar – aber bei einer aktiven Essstörung müssen sie angepasst werden.
Die 10 Prinzipien im Original:
- Diät-Mentalität zurückweisen
- Hunger respektieren
- Frieden mit Essen schließen
- Die „Essenspolizei“ herausfordern
- Sättigung spüren
- Zufriedenheitsfaktor entdecken
- Emotionen ohne Essen bewältigen
- Körper respektieren
- Bewegung – Unterschied spüren
- Sanfte Ernährung
Das Problem bei Essstörungen:
- Prinzip 2 (Hunger respektieren): Was, wenn du keinen Hunger spürst? Dann musst du trotzdem essen!
- Prinzip 5 (Sättigung spüren): Was, wenn du zu früh satt bist? Du brauchst trotzdem mehr!
- Prinzip 7 (Emotionen ohne Essen): Das kann in früher Recovery zur Restriktion führen
Bei Essstörungen braucht es eine modifizierte Version: Du arbeitest schrittweise auf diese Prinzipien hin – aber mit therapeutischer Unterstützung und oft erstmal mit einem strukturierten Plan als Sicherheitsnetz.
Intuitives Essen bei Essstörungen ist keine Do-it-yourself-Reise. Die Prinzipien sind das Ziel – aber der Weg dorthin braucht Anleitung.
💙 Wenn du lernen möchtest, wie du intuitives Essen sicher in deine Recovery integrieren kannst – lass uns zusammenarbeiten. Ich begleite dich Schritt für Schritt auf diesem Weg.
Intuitiv essen lernen nach Essstörung – wie lange dauert das?
Die ehrliche Antwort: Es dauert so lange, wie es dauert. Und das ist für jeden anders.
Realistische Zeitrahmen:
- Frühe Recovery (0-6 Monate): Intuitives Essen ist meist noch nicht möglich. Fokus liegt auf strukturierter Ernährung und Gewichtsstabilisierung.
- Mittlere Recovery (6-18 Monate): Erste Schritte Richtung intuitives Essen möglich – aber noch mit viel Unterstützung.
- Späte Recovery (18+ Monate): Intuitives Essen wird zunehmend natürlicher, aber es braucht weiter Geduld.
Was den Prozess beeinflusst:
- Wie lange die Essstörung bestand
- Wie tief die Verzerrung der Hunger-/Sättigungssignale ist
- Ob du professionelle Unterstützung hast
- Wie geduldig du mit dir selbst bist
Was viele unterschätzen: Intuitiv essen zu lernen ist keine Technik, die man in einem Wochenend-Workshop lernt. Es ist ein tiefgreifender Heilungsprozess, bei dem du deinem Körper wieder vertrauen lernst – nachdem die Essstörung dieses Vertrauen systematisch zerstört hat.
Das braucht professionelle Begleitung. Alleine ist es nicht nur schwerer – es ist oft unmöglich, die Fallen der Essstörung zu erkennen.
Esse ich intuitiv oder folge ich noch meiner Essstörung?
Das ist eine der schwersten Fragen in der Recovery – und oft die wichtigste. Die Grenze zwischen intuitivem Essen und getarnter Essstörung kann erschreckend dünn sein.
Echtes intuitives Essen sieht so aus:
- Du isst, wenn du hungrig bist – auch wenn es „zu früh“ oder „zu spät“ ist
- Du isst, worauf du Lust hast – ohne Schuldgefühle
- Manchmal isst du mehr, manchmal weniger – und beides ist okay
- Du kannst flexibel sein – spontan essen gehen, Einladungen annehmen
- Essen ist Genuss, nicht nur Pflicht oder Angst
Essstörung getarnt als „intuitives Essen“:
- Du „hörst auf deinen Körper“ – aber dein Körper sagt komischerweise immer „weniger essen“
- Du meidest bestimmte Lebensmittel, weil dein Körper sie „nicht will“ (= Ausrede)
- Du überspringst Mahlzeiten, weil du „keinen Hunger“ hast
- Du fühlst stolz, wenn du wenig gegessen hast
- Du hast Angst vor dem Gefühl, satt zu sein
Die unbequeme Wahrheit: In früher bis mittlerer Recovery ist es fast unmöglich, wirklich intuitiv zu essen. Deine Intuition ist noch gekapert von der Essstörung.
Was du stattdessen brauchst: Einen strukturierten Plan, der dir hilft, deine Hunger- und Sättigungssignale neu zu kalibrieren. Das fühlt sich nicht „intuitiv“ an – aber es ist der Weg, um echtes intuitives Essen später zurückzugewinnen.
Diese Unterscheidung alleine zu treffen ist fast unmöglich. Deine Essstörung ist eine Meisterin der Tarnung. Deshalb ist therapeutische Begleitung nicht optional – sie ist essentiell.
💙 Wenn du dir nicht sicher bist, auf welcher Seite du stehst – schreib mir. In meiner Arbeit helfe ich dir, diese Unterscheidung klar zu sehen und den richtigen Weg für deine Heilung zu finden.
Du musst nicht alleine auf dem Weg aus deiner Essstörung kämpfen. Schreibe mir und wir können gemeinsam herausfinden, wie ich dir helfen kann.
Die Heilung deiner Essstörung und die Überwindung deines Körperhasses ist möglich – Ich habe es geschafft, andere haben es geschafft und so kannst du es auch schaffen!
Quellenangaben:
- Keys, A., Brožek, J., Henschel, A., Mickelsen, O., & Taylor, H. L. (1950). The biology of human starvation. University of Minnesota Press.
- Grilo, C. M., Ivezaj, V., & White, M. A. (2019). Evaluation of the DSM-5 severity indicator for binge eating disorder in a clinical sample. Behaviour Research and Therapy, 105, 28-33.
- Schebendach, J. E., Mayer, L. E., Devlin, M. J., Attia, E., & Walsh, B. T. (2021). Dietary energy density and diet variety as risk factors for relapse in anorexia nervosa. International Journal of Eating Disorders, 44(5), 227-236.
- Hoek, H. W. (2016). Review of the worldwide epidemiology of eating disorders. Current Opinion in Psychiatry, 29(6), 336-339.
- Neumark-Sztainer, D., Wall, M., Larson, N. I., Eisenberg, M. E., & Loth, K. (2011). Dieting and disordered eating behaviors from adolescence to young adulthood. Journal of the American Dietetic Association, 111(7), 1004-1011.
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