Diätmentalität ablehnen in 5 Schritten – Intuitives Essen Prinzip 1 (Mit Diäten aufhören)

Diätmentalität ablehnen in 5 Schritten - Intuitives Essen Prinzip 1 (Mit Diäten aufhören)

Von Tanja, M.Sc & B.Sc. Psychologin (King's College London), MBPsS, Spezialistin für Essstörungen & Körperbild & Magersucht-Überlebende| 10+ Jahre Erfahrung

Diätmentalität
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Ich stand vor meinem Bücherregal und starrte auf die Reihe von Diätbüchern.
„Clean Eating.“ „Low Carb Lösung.“ „Die 5:2 Diät.“ „Kalorien-Countdown.“
Jahre meines Lebens steckten in diesen Büchern.

Ich nahm das erste Buch in die Hand. Meine Notizen an den Rändern. Eselsohren auf den „wichtigen“ Seiten. Ein Leben, das ich nach diesen Regeln gelebt hatte.

Und plötzlich überkam mich eine Welle von Wut.

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Hallo!

Ich heiße Tanja.
Ich bin Psychologin für Essstörungen, Körperhass und Selbstablehnung.
Ich bin auch eine Magersuchtsüberlebende.

Meine Mission ist es, dir zu helfen, deinen Kampf mit dem Essen und deinem Körper zu beenden und dich zu inspirieren, deinen wahren Wert zu entdecken.  Weiterlesen… 

Inhaltsverzeichnis

Wut auf diese Bücher. Wut auf die Diät-Industrie. Aber vor allem: Wut auf mich selbst.

Wie viele Jahre hatte ich damit verbracht, diesen Lügen zu glauben? Wie viele Geburtstage hatte ich ruiniert, weil ich die Kalorien im Kuchen zählte? Wie viele Momente mit Freunden hatte ich verpasst, weil ich zu beschäftigt war mit der Frage: „Darf ich das essen?“

Die Diätmentalität hatte mir nicht nur Gewicht genommen. Sie hatte mir mein LEBEN genommen.

Ich nahm ein Buch nach dem anderen und warf sie in den Müll. Jedes Buch fühlte sich an wie ein Stück meiner Vergangenheit, das ich endlich loslassen konnte.

Aber als ich das letzte Buch in der Hand hielt, zögerte ich.
Was, wenn ich diese Regeln brauche? Was, wenn ich ohne sie die Kontrolle verliere? Was, wenn ich keine Diät mehr mache und nie glücklich sein kann?

Diese Angst – diese lähmende Angst – ist die Diätmentalität.

Sie flüstert dir ein: „Du brauchst mich. Ohne mich bist du nichts.“ Und für Jahre hatte ich ihr geglaubt.

Heute weiß ich: Die Diätmentalität ablehnen war die beste Entscheidung meines Lebens.

Als Psychologin für Essstörungen und als jemand, die selbst diesen Weg gegangen ist, möchte ich dir heute zeigen, wie du mit Diäten aufhören und die Diätmentalität loslassen kannst – in 5 konkreten Schritten.

Intuitives Essen Prinzip 1 – die Diätmentalität ablehnen – ist der Grundstein für alle anderen Prinzipien des intuitiven Essens. Ohne diesen ersten Schritt kannst du nicht wirklich intuitiv essen.

Es wird nicht einfach sein. Aber es wird das Befreiendste sein, was du je tust.

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Warum Diäten nicht funktionieren - und wie du mit Diäten aufhören kannst

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Für mich war der Beginn einer Diät normalerweise sehr aufregend und vielversprechend, da ich hoffte, dass dies der Beginn eines neuen Kapitels in meinem Leben sein könnte. Ein Leben, in dem ich glücklicher bin und mich wegen des Erreichens meines „Traumgewichts und -figur“ gut in meinem Körper fühle.

Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass es so nicht funktioniert hat – denn das Zählen von Kalorien und der Grammanzahl von Kohlenhydraten, das Vermeiden von Zucker und Fett und das ausschließliche Essen von Lebensmitteln, die als „gesund“ und „gut“ für den Körper angesehen werden, hat mich noch viel unglücklicher gemacht. Heute weiß ich: Mit Diäten aufhören war die beste Entscheidung meines Lebens.

Vielleicht hast du eine ähnliche Erfahrung gemacht, da all diese Ernährungseinschränkungen, Diätregeln und Listen mit „guten und schlechten“ Lebensmitteln dir nicht geholfen haben, eine positive Beziehung zu deinem Körper und dem Essen aufzubauen. Das Einzige, was die Diämentalität mit Sicherheit schafft, ist, dein Vertrauen in deinen Körper zu zerstören, obwohl dein Körper biologisch programmiert ist zu wissen, was, wann und wie viel an Nahrung er benötigt.

Die Diätmentalität hält dich klein, indem sie dich glauben lässt, dass Dünnsein oder Abnehmen der einzige Weg ist, glücklich zu sein und dich in deinem Körper wohlzufühlen.

Falls du meinen Artikel zu Warum sind Diäten so schädlich für deinen Körper und deine Psyche verpasst hast, kannst ihn gerne hier lesen.

Um jedoch ein intuitiver Esser zu werden, ist es notwendig, dass du die Diätmentalität herausforderst und ablehnst. Mit den Worten der Begründer von intuitiven Essens (Tribole und Resch): „Wenn du auch nur eine kleine Hoffnung hast, dass eine neue und bessere Diät um die Ecke auf dich wartet, wird es dich daran hindern, frei zu sein und das intuitive Essen wieder zu entdecken.”

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Mit Diäten aufhören ist schwierig und beängstigend - aber möglich

Wie fühlst du dich, wenn du daran denkst, die Diätmentalität aufzugeben? Macht es dir Angst? Machst du dir Sorgen, dass du, wenn du aufhörst eine Diät zu machen, die Kontrolle über deinen Körper verlierst und an Gewicht zunehmen wirst? Oder dass du nicht aufhören kannst zu essen, wenn du einmal angefangen hast? Oder du einfach nicht weißt, wie du essen sollst, wenn du keine Diät hältst?

Diese Sorgen sind ganz normal, aber die Wahrheit ist, dass restriktive Diäten die Auslöser für übermäßiges Essen und zwanghafte Gedanken rund um das Essen sind – dies ist eine normale Reaktion deines Körpers auf Hungern. Sobald du dir die Erlaubnis zum Essen gibst, wird dein Körper lernen, dass du ihm Nahrung gibst, wenn er hungrig ist, und dadurch wird das intensive Bedürfnis zu essen immer weniger.

Die Angst davor, die Kontrolle zu verlieren, ist eine häufige Sorge, die ich oft von meinen Kunden höre. Auf deiner Reise zu einem intuitiven Esser wirst du jedoch lernen, die externe Kontrolle der Diätmentalität aufzugeben, die dich dazu veranlasst, die Signale deines Körpers zu ignorieren und dir sagt, was, wie viel und wann du essen darfst. Dadurch wird es dir möglich sein, dich mehr auf deine inneren Signale zu verlassen, die deine innere Weisheit ist. Diese innere Weisheit weiß genau, was dein Körper braucht und wird dich auch beim Essen leiten. Die Diätmentalität loslassen bedeutet nicht Kontrollverlust – es bedeutet, wieder auf die Weisheit deines Körpers zu vertrauen.

Wenn du an einer Essstörung leidest und dich fragst, ob intuitives Essen das richtige für dich ist, lies meine beiden Blogartikel Intuitives Essen als Weg aus deiner Essstörung und Die 10 Prinzipien der intuitiven Ernährung und wie sie dir aus deiner Essstörung helfen können.

Wie kannst du nun eigentlich die Diätmentalität ablehnen?

Die Diätmentalität ablehnen ist nicht etwas, das über Nacht passieren wird; es erfordert regelmäßiges Üben. Aber mit Diäten aufhören wird nachhaltig deine Denkweise über Essen und dein Essverhalten zum Positiven verändern.

Hier sind 5 Schritte wie du die Diät-Mentalität ablehnen kannst:

Diätmentalität

Raus aus der Diätmentalität in 5 Schritten

1. Erforsche deine Diätvergangenheit

Für diese Übung benötigst du einen Stift, ein Blatt Papier und etwas Zeit für dich selbst; mindestens 10 Minuten. Erstelle dann eine Zeitleiste für all die Diäten, die du gemacht hast und bewerte, wie viel Zeit deines Lebens du mit einer Diät verbracht hast. Währenddessen reflektiere deine Diätvergangenheit und stelle dir folgende Fragen:

  • Hat mir irgendeine Diät die Ergebnisse gebracht, die ich angestrebt habe?
  • Hat mich irgendeine Diät glücklicher gemacht?
  • Hat sich irgendeine Diät positiv auf mein Selbstwertgefühl, meine Stimmung, meine Zufriedenheit und meine Lebensqualität ausgewirkt?
  • Wie haben sich die strengen Diätregeln auf mein Leben ausgewirkt?
  • Wie oft kamen die Kalorienzahlen vor dem Genuss?
  • Hatte irgendeine Diät einen Einfluss auf mein soziales Leben oder meine Beziehungen?
  • Warum mache ich Diäten? Weil ich meinen Körper respektiere, akzeptiere und liebe oder weil ich ihn hasse?
  • Wie viel Geld habe ich für Diäten ausgegeben?
  • Wie viel Zeit habe ich damit verbracht über Diäten nachzudenken?
  • Wie viel Zeit möchte ich noch damit verbringen, mir Gedanken über das Essen und meinen Körper zu machen?

Durch diese Übung wirst du mehr Klarheit über deine Diätvergangenheit erlangen und die Gründe warum du immer wieder Diäten machst und es wird dir leichter fallen die Diätmentalität abzulegen. Und intuitives Essen statt Diät zu praktizieren.

2. Erkenne an, wie schädlich eine Diät ist

Viele Millionen Menschen sind die meiste Zeit auf Diät. Während viele wissen, dass Diäten selten funktionieren, sind sich viele nicht unbedingt bewusst, dass Diäten dem Körper und der Psyche schaden können

Fast jeder, der eine Diät macht, berichtet von psychischen oder physischen Nebenwirkungen wie einem erhöhten Risiko für vorzeitigen Tod und Herzerkrankungen, Kopfschmerzen, trockener Haut, Müdigkeit und unregelmäßigen Menstruationszyklen. Diäten stehen auch in Verbindung mit vermindertem Selbstvertrauen und diejenigen, die es schaffen, Gewicht zu verlieren, riskieren, Essstörungen zu entwickeln.

Erkenne die Diätmentalität - der Schlüssel um mit Diäten aufhören zu können

Die Diätmentalität kann hinterhältig sein, selbst wenn du dich dazu entscheidest, Diäten aus deinem Leben zu verbannen. Um ein für alle Mal von der Diätmentalität loszukommen, ist wichtig, dass du die Willenskraft um nicht zu essen, Gehorsam sein, das Gefühl des Versagens, gutes oder schlechtes Essen, cheat Tage, Kontrolle, cleaning eating, fast food, Kalorien, dünn, dick, Scham und Schuld sein lässt.

Die Willenskraft zu nutzen, um nicht zu essen, bedeutet, dass du versuchst, deine natürlichen Wünsche zu übergehen und diese durch strenge Diätregeln zu ersetzen. Zum Beispiel ist der Wunsch, süße Dinge zu essen, ein natürlicher Wunsch und normal. Jede Diät, die dir jedoch sagt, dass du keine zuckerhaltigen Lebensmittel essen sollst, widerspricht somit deinen natürlichen Instinkten. 

Intuitives Essen hilft dir dabei, deine Willenskraft rund ums Essen loszulassen, indem du mehr und mehr lernst auf deine innere Weisheit als auf die äußern Signale zu hören. Auch von der  Diätmentalität gesagt zu bekommen, was du essen kannst und was nicht, kann deine rebellische Seite hervorbringen und dich dazu verleiten, genau das Gegenteil zu tun.

Erinnere dich nur mal an eine Zeit, in der deine Eltern dir etwas verboten haben. Wolltest du es dann nicht noch mehr tun? Wahrscheinlich ja, und das ist ein ganz normales menschliches Verhalten, das dir dabei hilft deine Identität zu entwickeln und zu schützen. Es ist also keine Überraschung, dass du dich wie ein Kind fühlst, das gegen die Regeln der Eltern verstößt, wenn du die Diätregeln missachtest.

Aber denke daran, dass nur du wissen kannst, was du essen möchtest und was deine körperlichen und emotionalen Bedürfnisse sind. Nur du kannst dir selbst die bedingungslose Erlaubnis erteilen, alles zu essen, was du essen willst, ohne Schuldgefühle oder Reue zu haben. Niemand sonst kann dies für dich tun; nicht deine Familie, dein Partner, deine Freunde und definitiv nicht ein Diätplan. Wenn du eine Pizza oder ein leckeres Eis essen willst, ist das absolut in Ordnung. Es gibt keine Einteilung von „guten“ oder „schlechten Lebensmitteln“ und auch keine „richtige“ oder „falsche“ Ernährungsweise. Die beste Art zu essen ist die Art und Weise, die deinen einzigartigen Bedürfnissen entspricht.

4. Werde die Diät-Tools los - Meine Waagen-Obsession

Eine der besten Entscheidungen, die ich während der Heilung meiner Essstörung getroffen habe, war, meine Waage loszuwerden. Ich war besessen von der Zahl, die meine Waage anzeigte; wenn sie ein höheres Gewicht als am Tag zuvor anzeigte, war mein Tag ruiniert, wenn das Gewicht jedoch niedriger war, war ich der glücklichste Mensch auf der Welt.

Es war eine schreckliche und auch traurige Art zu leben, denn mein ganzes Leben wurde von einer so unwichtigen Sache wie einer Waage bestimmt.

Wenn du eine ähnliche Beziehung zu einer Waage hast oder zu anderen Messinstrumenten, halte einmal kurz inne und denke darüber nach.

Wird dir bewusst, dass die Waage der Herr über deine Stimmung ist, darüber ob du dich glücklich oder verzweifelt fühlst?

Ist dir bewusst, dass sie darüber entscheidet, was und wie viel du essen darfst?

Bist du dir bewusst, dass die Waage dein soziales Leben beeinflusst?

Meine Empfehlung für dich:

Wenn du mit Diäten aufhören und die Diätmentalität ablehnen willst, musst du alle Messinstrumente aus deinem Leben verbannen:

  • Die Waage – wirf sie weg oder gib sie jemandem
  • Fitness-Apps mit Kalorienzähler – deinstallieren
  • Maßband – weg damit
  • „Vorher-Nachher“ Fotos – löschen

Dein Leben und du bist so viel mehr wert als eine Zahl. Die Waage misst nicht deinen Wert – nicht deine Persönlichkeit, deine Leidenschaften, deine Talente, deine Güte, deine Stärke.

All das macht aus, wer du bist. Aber bestimmt nicht die Zahl auf einer Waage.

Intuitives Essen statt Diät bedeutet: Deinem Körper vertrauen, nicht einer Zahl.

Wenn du mehr darüber lesen möchtest, lies meinen Artikel: Verbanne die Waage aus deinem Leben.

5. Wähle Mitgefühl

Der letzte Schritt ist auch der schwierigste, da wir oft so hart mit uns selbst sind, ohne es wirklich zu merken. 

Es ist jedoch so wichtig, dass du dich nicht selbst kritisierst, wenn du keine Diät mehr machst. Lasse die anderen über ihren Körper und ihre Ernährung sprechen. Es ist in Ordnung, dass Gefühl zu haben, ohne Diäten nicht in die Gesellschaft zu passen. 

Das Wichtigste ist, dass du stolz auf dich bist, da du dieses zermürbende und krank machende Kapitel in deinem Leben abgeschlossen hast. Du wirst sehen, dass du schon bald freier in deiner Essensauswahl sein wirst und glücklicher mit deinem Körper und deinem Leben.

Mit Diäten aufhören und die Diätmentalität loslassen sind die ersten beiden Schritte zu intuitivem Essen statt Diät.

Wie fühlt sich mein Leben heute an - nachdem ich die Diätmentalität losgelassen habe?

Ich sitze am Esstisch mit Freunden. Es gibt Pizza.

Vor Jahren hätte ich:

  • Die Kalorien berechnet
  • Nur ein Stück gegessen (obwohl ich noch hungrig war)
  • Den Rest des Abends darüber nachgedacht, ob ich „zu viel“ gegessen habe
  • Mich am nächsten Morgen gewogen
  • Mich bestraft, wenn die Zahl höher war

Heute?
Ich esse Pizza. Ich genieße sie. Ich lache mit meinen Freunden. Ich denke nicht an Kalorien. Ich denke nicht an mein Gewicht.

Ich lebe. Das ist Freiheit. Das ist intuitives Essen statt Diät.

Die Diätmentalität abzulegen war das Schwierigste, was ich je getan habe. Und das Befreiendste.
Ich habe Jahre damit verbracht, zu glauben, dass dünn sein mich glücklich machen würde. Dass eine Zahl auf der Waage meinen Wert bestimmt. Dass Essen der Feind ist.

Alles Lügen.

Heute weiß ich: Mein Wert ist nicht verhandelbar. Er hängt nicht von meinem Gewicht ab. Er war immer da – ich musste nur lernen, ihn zu sehen.

Wenn du gerade am Anfang dieses Weges stehst und mit Diäten aufhören möchtest: Ich weiß, es fühlt sich überwältigend an. Die Angst ist real. Aber die Freiheit, die auf der anderen Seite wartet, ist es wert.

Diese 5 Schritte sind der Anfang deiner Reise. Intuitives Essen Prinzip 1 – die Diätmentalität ablehnen – ist der Grundstein für alles, was folgt.

Du bist so viel mehr als eine Zahl. Es ist Zeit, das endlich zu glauben.

Intuitives Essen Prinzip 1 – die Diätmentalität ablehnen – ist der Grundstein für alle weiteren Prinzipien. Ohne diesen ersten Schritt kannst du nicht wirklich frei essen.

Um Frieden mit dem Essen und deinem Körper zu schließen, musst du dich von dem Gedanken verabschieden, dass eine Diät die einzige Möglichkeit ist, um in unsere Gesellschaft zu passen.

FAQs zu Prinzip 1: Diätmentalität ablegen

Was genau ist Diätmentalität?

Diätmentalität ist die leise Stimme, die flüstert: „Dein Körper ist falsch. Du musst ihn korrigieren.“

Sie ist die Überzeugung, dass es „gute“ und „schlechte“ Lebensmittel gibt, dass dein Wert auf einer Waage steht, dass du nie genug bist – es sei denn, du kontrollierst, verzichtest, kämpfst.

Sie zeigt sich in Gedanken wie „Ich muss das wieder abtrainieren“ nach einem Essen mit Freunden. „Montag fange ich wieder an“ nach einem Wochenende. „Ich war so gut diese Woche“ – als wäre dein Essverhalten eine moralische Kategorie.

Bei Essstörungen ist diese Mentalität so tief verwurzelt, dass sie Teil deiner Identität geworden ist. Sie fühlt sich an wie du selbst. Und genau deshalb ist sie so schwer loszulassen – und oft brauchst du professionelle Begleitung dabei.

Warum ist es so schwer, die Diätmentalität loszulassen?

Weil die Diät-Kultur uns seit Jahrzehnten als „normal“ verkauft wurde.

In deiner Familie beim Sonntagsessen „Ich darf das nicht, ich bin auf Diät“.

Bei deiner Ärztin, die nur auf die Waage schaut.

In den Medien, die dir täglich zeigen, welcher Körper „richtig“ ist.

In Freundschaften, wo Diät-Talk das ist, was euch verbindet.

Sie gibt uns etwas, das sich wie Sicherheit anfühlt: Kontrolle über das Unkontrollierbare. Zugehörigkeit zu anderen, die auch kämpfen. Hoffnung, dass wir „eines Tages“ endlich genug sein werden.

Bei Essstörungen kommt die existenzielle Angst hinzu: „Ohne Kontrolle bricht alles zusammen. Ohne Regeln verliere ich mich. Ohne Diätmentalität – wer bin ich dann?“

Loszulassen bedeutet, eine ganze Weltanschauung aufzugeben, die dir scheinbar Halt gegeben hat, auch wenn sie dich gleichzeitig zerstört hat.

Wie lege ich die Diätmentalität konkret ab?

Es gibt verschiedene Wege, und jeder fühlt sich anders an:

  • Radikaler Schnitt – Alle Diätbücher wegwerfen. Die Waage entsorgen, heute, jetzt. Apps löschen. Das ist der Sprung von der Klippe. Befreiend und erschreckend zugleich.
  • Schrittweise Annäherung – Erst Social Media cleanen (alle Diät-Accounts entfolgen). Dann die Waage für eine Woche weglassen. Dann die Diätbücher aussortieren. Sanfter. Weniger überwältigend. Aber die Gefahr: Du bleibst stecken im „Bald mache ich den nächsten Schritt“.

Parallel dazu:

  • Die gedankliche Arbeit – Journaling.
  • Die Frage bei jedem Diät-Gedanken: „Wessen Stimme ist das – meine oder die Diät-Kultur?“
  • Trennen lernen zwischen dem, was DU willst, und dem, was dir eingeredet wurde.

Bei einer aktiven Essstörung ist dieser Prozess oft zu überwältigend, um ihn alleine zu gehen. Die Gedanken sind zu laut, die Angst zu groß, die Muster zu tief. Schreib mir, wenn du Unterstützung brauchst. Ich begleite dich gerne.

Ist Diätmentalität dasselbe wie eine Essstörung?

Nein, aber sie ist der Nährboden. Die Erde, in der die Essstörung wachsen kann.

Diätmentalität ist kulturell normalisiert – fast jeder hat sie in irgendeiner Form. Die meisten Menschen entwickeln keine Essstörung daraus. Aber manche – durch Genetik, durch Trauma, durch Lebensumstände – tun es.

Eine Essstörung ist eine klinische Störung mit obsessiven, zwanghaften Mustern, die alle Lebensbereiche beeinträchtigt. Es ist nicht mehr nur „Ich sollte weniger essen“ – es ist „Ich MUSS, oder ich bin nicht sicher, nicht genug, nicht okay.“

Die Grenze ist fließend. Manchmal schleichend. Manchmal merkst du erst im Rückblick, wann es von „normal“ zu „Störung“ wurde.

Wenn du unsicher bist wo du stehst, wenn du dich fragst „Ist das noch normal oder schon krankhaft?“ – sprich mit mir. Manchmal braucht es einen Blick von außen, um zu sehen, wie tief du schon drin bist.

Kann ich Prinzip 1 umsetzen, wenn ich eine aktive Essstörung habe?

Das kommt darauf an, wie schwer deine Essstörung ist.

Bei milder bis moderater ED – mit guter therapeutischer Begleitung – kann es funktionieren. Du brauchst jemanden, der dich auffängt, wenn die Angst hochkommt. Der dich erinnert, warum du das tust, wenn dein Gehirn dir sagt „Gib auf, es ist zu schwer.“

Bei schwerer ED (aktive Restriktion, stark untergewichtig, Purging, Suizidgedanken) – nein, Prinzip 1 alleine reicht nicht. Du brauchst intensive professionelle Unterstützung. Dein unterversorgtes Gehirn kann nicht klar denken. Die existenzielle Angst vor Gewichtszunahme macht es fast unmöglich, die Diätmentalität alleine loszulassen.

Ich sage das nicht, um dir die Hoffnung zu nehmen. Ich sage es, um dich zu schützen. Um dich nicht in einen Kampf zu schicken, den du ohne Waffen nicht gewinnen kannst.

Schreib mir, wenn du herausfinden möchtest, ob du bereit bist – oder was du stattdessen brauchst.

Was ist der Unterschied zwischen Diätmentalität ablegen und "gesunder Ernährung"?

Der Unterschied liegt nicht in dem, was auf deinem Teller liegt. Der Unterschied liegt in dem, was in deinem Kopf passiert.

Diätmentalität wird getrieben von Angst, Scham und Zwang: „Ich MUSS mehr Gemüse essen, weil ich sonst dick werde und dann bin ich wertlos.“ Es fühlt sich an wie ein ständiger Kampf. Wie Selbstbestrafung. Wie nie genug sein.

Gesunde Ernährung ohne Diätmentalität wird geleitet von Selbstfürsorge und Intuition: „Ich esse Gemüse, weil es mir gut tut. Weil ich mich danach energiegeladen fühle. Weil ich meinen Körper nähren will.“ Es fühlt sich an wie Fürsorge. Wie Freiheit. Wie nach Hause kommen.

Die Diät-Kultur ist schlau. Sie tarnt sich als „gesunde Ernährung“ – Clean Eating, Wellness, Detox, „Lifestyle-Change“.

Aber wenn dahinter Angst, Zwang und Kontrolle stehen, ist es Diätmentalität in neuem Gewand.

Frage dich: Macht mir das Angst oder gibt es mir Freiheit? Fühlt sich das an wie Selbstfürsorge oder wie Bestrafung? Die Antwort weißt du tief in dir.

Wie lange dauert es, die Diätmentalität wirklich loszulassen?

Es dauert länger als du hoffst. Länger als du dir wünschst. Länger als jeder Instagram-Post dir versprechen will.

Meine persönliche Timeline:

  • Erste 6 Monate = aktives Kämpfen gegen jeden Diät-Gedanken. Erschöpfend.
  • Jahr 1-2 = langsames Lösen. Momente der Freiheit, durchzogen von Rückfällen.
  • Jahr 3 = deutliche Freiheit. Die Gedanken kommen seltener, haben weniger Macht.
  • Jahr 5+ = innere Ruhe. Ein Leben ohne ständigen Kampf.

Faktoren die die Dauer beeinflussen:

  • Wie tief war die Diätmentalität verwurzelt?
  • Hast du eine Essstörung?
  • Hast du professionelle Unterstützung?
  • Bist du von Diät-Kultur umgeben oder hast du ein unterstützendes Umfeld?

Es ist ein Marathon, kein Sprint. Aber jeder Schritt bringt dich näher zur Freiheit.

Kann ich Prinzip 1 umsetzen, ohne zuzunehmen?

Wenn du aktuell restriktiv isst, dein Körper im Mangel ist – wahrscheinlich nicht. Dein Körper wird zunehmen, bis er sein natürliches, gesundes Gewicht erreicht. Das kann sich anfühlen wie Kontrollverlust, aber es ist Heilung.

Wenn du bereits ein stabiles, gesundes Gewicht hast (nicht untergewichtig, isst ausreichend) – dann durchaus möglich, dass dein Gewicht stabil bleibt.

ABER – und das ist wichtig – die Angst vor Gewichtszunahme ist oft selbst Teil der Diätmentalität.

Die Frage sollte nicht sein „Nehme ich zu?“, sondern „Werde ich freier? Werde ich gesünder? Werde ich glücklicher?“

Solange die Angst vor Gewichtszunahme deine Entscheidungen bestimmt, bist du nicht frei. Solange du nur bereit bist, die Diätmentalität loszulassen, wenn dein Gewicht gleich bleibt, hältst du sie noch fest.

Wenn die Angst dich lähmt, wenn sie dich davon abhält auch nur anzufangen – schreib mir. Diese Angst ist real und sie verdient Begleitung.

Wo finde ich Hilfe, wenn ich die Diätmentalität nicht alleine loslassen kann?

Wenn Diät-Gedanken dich komplett beherrschen, du nicht aufhören kannst zu kontrollieren, Angst dich lähmt, oder du schon so lange kämpfst und nicht weiterkommst – dann ist professionelle Unterstützung wichtig. Das ist kein Versagen. Das ist Mut.

Ich kann dir helfen. Als Psychologin & Magersucht-Überlebende begleite ich dich auf diesem Weg.

Ich kenne beide Seiten – die professionelle Expertise UND die gelebte Erfahrung. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn Diätmentalität deine Identität ist. Wenn du nicht weißt, wer du ohne sie wärst. Wenn die Angst so groß ist, dass Atmen schwerfällt.

Und ich weiß: Es ist möglich, frei zu werden. Nicht leicht. Nicht schnell. Nicht ohne Tränen und Rückschläge. Aber möglich.

Schreib mir – ich antworte persönlich. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.

Quellenangaben:

  1. Keys, A., Brožek, J., Henschel, A., Mickelsen, O., & Taylor, H. L. (1950). The biology of human starvation. University of Minnesota Press.
  2. Grilo, C. M., Ivezaj, V., & White, M. A. (2019). Evaluation of the DSM-5 severity indicator for binge eating disorder in a clinical sample. Behaviour Research and Therapy, 105, 28-33.
  3. Schebendach, J. E., Mayer, L. E., Devlin, M. J., Attia, E., & Walsh, B. T. (2021). Dietary energy density and diet variety as risk factors for relapse in anorexia nervosa. International Journal of Eating Disorders, 44(5), 227-236.
  4. Hoek, H. W. (2016). Review of the worldwide epidemiology of eating disorders. Current Opinion in Psychiatry, 29(6), 336-339.
  5. Neumark-Sztainer, D., Wall, M., Larson, N. I., Eisenberg, M. E., & Loth, K. (2011). Dieting and disordered eating behaviors from adolescence to young adulthood. Journal of the American Dietetic Association, 111(7), 1004-1011.

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