Ein Rückfall der die Wende brachte – Erfahrungsbericht

Ein Rückfall der die Wende brachte - Erfahrungsbericht

Von Sarah, Erfahrungsbericht

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Ich war 10 Jahre in der Magersucht, bevor ich den Kampf gegen die Essstörung begonnen habe. Eines Tages waren es nur noch 27,8 kg auf der Waage und ich hatte plötzlich Wasser in den Füßen. Ein Alarmsignal, das mir die Augen geöffnet hatte und mir endlich klar wurde, dass ich ein ernsthaftes Problem mit dem Essen habe. Ich musste etwas tun, um nicht zu sterben. So fing ich an, zu essen. Mit Obst und Joghurt und vielen Kleinigkeiten versuchte ich über den Tag, Energie zu mir zu nehmen.

Eine gute Hilfe in den ersten Tagen war für mich Babybrei. Das war nicht zu viel und gut bekömmlich für den Magen. So hatte ich auch innerhalb von drei Tagen 3 kg zugenommen. Der Körper hatte alles wie einen Schwamm aufgesaugt, um mich am Leben zu halten. 

Hallo!

alt="about tanja"

Ich heiße Tanja.
Ich bin Psychologin für Essstörungen, Körperhass und Selbstablehnung.
Ich bin auch eine Magersuchtsüberlebende.

Meine Mission ist es, dir zu helfen, deinen Kampf mit dem Essen und deinem Körper zu beenden und dich zu inspirieren, deinen wahren Wert zu entdecken.  Weiterlesen… 

Zu dem Zeitpunkt war ich so schwach, dass ich auch tagelang nur im Bett lag und nichts machen konnte. Ich habe nach und nach versucht, wieder regelmäßig zu essen und vor allem mittags wieder eine warme Mahlzeit zu mir zu nehmen. Das war eine große Herausforderung, da ich all die Jahre das Mittagessen aus meinem Leben verbannt habe. Mit kleinen Portionen habe ich tatsächlich wieder täglich zum Mittag was gegessen. 

Es war jeden Tag aufs Neue ein Kampf, aber ich habe mir immer wieder bewusst gemacht, dass jede Mahlzeit mich am Leben hält. Nach drei Monaten fing ich dennoch wieder an, das Mittagessen ab und an wegzulassen. Ich war sicher, auch ohne diese Mahlzeit zuzunehmen und trotzdem genug Energie zu bekommen. Mittlerweile hatte ich schon 6 kg zugenommen und merkte, wie die Angst weiter zuzunehmen immer größer wurde. 

Ich fing wieder an, das Essen zu reduzieren. Mittags gab es nur noch einen Joghurt, nachmittags nur 1-2 Kekse und auch beim Frühstück und Abendessen wurde es wieder weniger. 

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Mit Tanja – Psychologin für Essstörungen & Körperbild

Die Zahl auf der Waage wurde wieder kleiner und ich dachte trotzdem gesund werden zu können. Ich war auf einmal mitten in einem Rückfall und war mir nicht bewusst, ein zweites Mal dem Tod nahe zu sein. 

Ein Jahr später waren es wieder nur 30 kg auf der Waage. So kam der Tag, an dem ich früh um 5 Uhr von starken Krämpfen im Unterbauch geweckt wurde. Der Körper hatte sich völlig entleert und ich wusste nicht, wie mir geschieht. Entkräftet ging ich wieder ins Bett und spürte das, was nicht stimmt. Ich machte mich nach dem Frühstück auf den Weg zum Hausarzt. Dort bekam ich eine Infusion. Erst zwei Tage später verstand ich, dass ich so nicht weiter machen kann. 

Wieder war ich an dem Punkt, etwas ändern zu müssen, um nicht zu sterben. So fing ich erneut an, mehr zu essen und auch mittags wieder eine warme Mahlzeit zu mir zu nehmen. Ich war mir endlich sicher, jetzt die Magersucht zu bekämpfen und alles dafür zu tun, um ein Leben führen zu können, das ohne Verbote und täglichen Wiegen bestand. Ich hatte plötzlich Freude am Essen und wollte keine Mahlzeit mehr verpassen. Jeden Tag aufs Neue hielt ich durch und mein Wille, die Essstörung endlich zu bekämpfen, wurde täglich stärker.

Gleichzeitig merkte ich auch, wie viele Hürden es zu überwinden gab. Die wohl schwierigste Hürde war, täglich das steigende Gewicht zu akzeptieren. Ein weiteres Problem war die Angst vor unzähligen Lebensmitteln. Dinge, die ich so gerne essen wollte, aber nicht konnte, weil die Kalorien des Produkts zu viel waren. Um all die Hürden zu überwinden, brauchte ich Hilfe.

Ich suchte im Internet nach Betroffenen, die den Weg aus der Magersucht geschafft haben. Mithilfe eines Coachings bei Tanja begann ich nun, die Hürden anzugehen und raus aus der Komfortzone zu gehen. 

Ich fing an, nach und nach die verbotenen Lebensmittel wieder in mein Leben zu lassen. Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, an dem ich mir zuerst den Kinderpinguin zurückgeholt habe. Die Angst, es zu essen, war riesig, aber es war so verdammt lecker. Es war so lecker, dass ich täglich den Kinderpinguin gegessen habe, weil ich einfach nicht genug davon bekommen habe. Ich merkte, dass nichts passiert, wenn ich so etwas esse und konnte so weitere Lebensmittel wieder in mein Leben lassen.

Wichtig war, jedes Lebensmittel so oft es ging zu essen, bis es ohne Nachdenken zur Gewohnheit wurde. Es wurden immer mehr Lebensmittel, die ich aus der Verbotsliste streichen konnte, trotz hoher Kalorienzahl. 

Ich musste mich aber endlich auch von der Waage trennen und versuchte mich nicht mehr täglich zu wiegen. Ich ging nur noch alle zwei Tage auf die Waage und habe die Abstände bis zum nächsten Wiegen immer größer werden lassen. Die Tage ohne Waage waren viel freier und ich konnte weniger eingeschränkt essen. Ich musste mir nicht überlegen, wie viel und vor allem was an dem Tag erlaubt war. Alles war erlaubt, denn ich kannte ja nicht mein aktuelles Gewicht. Es wurde von Tag zu Tag schöner, das Essen zu genießen und nicht mehr den ganzen Tag eine Zahl von der Waage im Kopf zu haben. Es kam der Tag, an dem ich mich auf einmal gar nicht mehr wiegen wollte und beschloss, es sein zu lassen. 

Eine weitere Hürde in der Heilung war der Extremhunger. Ich hatte gefühlt den ganzen Tag Hunger und wurde überhaupt nicht satt. Selbst das Mittagessen war an manchen Tagen nicht genug, um satt zu werden. Ich konnte dem Hunger nicht widerstehen und musste ihm nachgehen. Jahrelang konnte ich meinem Körper das Essen verweigern, aber jetzt musste ich dem Körper geben, wonach er verlangte. Ich musste nun auch immer mehr akzeptieren, dass mein Körper sich allmählich verändert. Veränderungen, die mir auch Ängste bereiteten und ich überwinden musste.

Eine Heilung ohne sichtbare Zunahme gibt es nicht.

Mittlerweile habe ich meinen Körper weitestgehend akzeptiert, weil er nun wieder Kraft und Energie hat. Ich habe wieder ein normales Essverhalten ohne verbotene Lebensmittel, Kalorienzählen und ständigen Wiegen.

Das Wohlfühlgewicht habe ich auch bis heute noch nicht erreicht. Ich muss nach wie vor täglich ausreichend Nahrung zu mir nehmen und auf die Signale meines Körpers hören. Es ist möglich, die Magersucht zu bekämpfen, wenn der Wille stark genug ist und man sich genügend Zeit dafür gibt. 

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